6 Uhr aufgestanden, die ganze Nacht Froschmusik und neben mir ein Baum, der unentwegt seine mit ertönen ließ. Das Wetter ist besser geworden, der Wind hat nachgelassen. Früh gemalt und nach Morgentoilette u[nd] Frühstück das Zelt an eine geschütztere Stelle verlegt. Farbkästen in Ordnung gebracht u[nd] meine wichtigsten Dinge beim Patron zur Aufbewahrung abgegeben. Wurde bei dieser Gelegenheit gleich zum Kaffee eingeladen, dazu Kuchen u[nd] einen Schnaps. Dann hinauf auf den Berg u[nd] 2 Aquarelle gemalt. Jetzt bin ich müde u[nd] werde bald in der Falle liegen. Vorher noch etwas frz. lernen u[nd] lesen, meine Bilder kritisch betrachten. Was machen jetzt meine beiden zu Haus?
Kategorie: Tagebuch
Dienstag, 27.4.54
Es regnet weiter. Wenn es heller wird, fahre ich trotzdem, ich möchte malen, malen und bin verärgert. Drüben ist ein Bus angekommen, man kocht ab, lauter junge Leute. Ich liege im Zelt u[n] schreibe. Da ruft es draußen „Aufstehen“. Es sind Freiburger vom Bus von Spanien kommend auf der Heimfahrt. Kurze lustige Unterhaltung. Es sind Turner.
Ich packe auf und fahre bei Regen ab. Der Mistral weht mir auf der Fahrt nach Aix kalt entgegen. Vor mir wird der Himmel heller u[nd] 20 km vor Aix scheint Sonne. Ich fahre durch Aix Richtung Nice, ca. 8 km hinter Aix von der Hauptstraße ab. Halt an einer Domaine, frage ob ich bleiben darf eine ältere Frau. Sie wird sofort freundlich und sagt zu, als ich mich als Maler vorstelle. Ich kann bleiben, solange ich will und habe mein Zelt unmittelbar neben dem Wohnhaus im Garten unter einem Nußbaum aufgeschlagen.

Noch ist die maßgebende Person, der Schwiegersohn nicht da. Aber als er kommt, ist auch da alles gut u[nd] die Aufnahme eine überaus herzliche. Ich bin erstaunt, wie viel ich verstehe, selbst wenn man schnell spricht. Das Ohr hat sich gewöhnt. Wir unterhalten uns lang und sind uns einig. Auch hier nur der Wunsch nach Friede und Verstehen. Er hatte deutschen Kriegsgefangenen aus Gegend Hamburg-Bremen, der bei ihm in voller Freiheit lebte. Der Patron scheint eine Seele von Mensch zu sein. Hat 6 Kinder von 1-14 Jahren. Hof ca. 50 ha groß. Die Kinder machen sich schon an mich heran. Mit dem 59jährigen Knecht unterhalten (Marseiller). Hat vor dem Krieg bei Köln an Autobahn gearbeitet u[nd] war zufrieden mit Deutschen. Schwer verstehbar, spricht schnell u[nd] patois in der Annahme, daß ich ihn verstehe. Ich bin irgendwie sehr glücklich, dieses Refugium gefunden zu haben. Jetzt nur gutes Wetter. Ruthlein u[nd] Susi eine gute Nacht. Ihr seid meine Welt.
Montag, 26.4.54
Der Himmel bedeckt, es regnet hie und da leise. Aus dem Nachbarzelt, einem jungen Ehepaar ein Morgengruß. Schweizer mit Fahrrädern unterwegs. Wir unterhalten uns lang. Er ist Sportler, Bergsteiger. Schweizer führt seine Waffe zur fanat.[?]1 Verteidigung seiner Freiheit2. Ein kleiner Schweizerspießer, wie ich sie kenne.
Ich gehe in die Stadt. Der Schweizer DKW hat Panne und Mme ist sehr traurig wegen Rep.-Kosten. Man reist scheinbar wie ich auf billigste Tour. Zur Post. Brief an Ruth geschrieben und von Ruth erhalten. Zum Papstpalast, ein gewaltiger, finsterer Bau, ein Gefängnis der Päpste. Eine Besichtigung muß ich aus Geldmangel aufgeben. Da ich mit meinen Interessen weniger für die Vergangenheit lebe, entbehre ich es nicht, und interessiert nur, was ich unmittelbar selbst zum Bild machen kann.
Im Zelt R[uths] Brief gelesen, da war ich bei Ihr, die mir soviel mehr ist, als sie ahnt und als ich ihr sagen kann. Du begreifst van Gogh, würdest aber selbst nicht so handeln. Das ist der grundlegende Unterschied zwischen Mann u[nd] Frau, wenn es um letzte Hingabe an eine Idee geht. Dazu kommt die Wirkung des Karmas.

Am Nachmittag am Rhoneufer gezeichnet u[nd] früh zu Bett, da Morgen nach Aix weiter. Es fängt stark an zu regnen und ich fühle mich im Zelt recht geborgen.


Sonntag 25.4.54
6 Uhr auf. Das Wetter noch trübe, scheint aber zu werden. An der Rhone Morgenwäsche, mit Angler gewartet. Der Mistral weht kalt. Noch reizt mich nichts zum Malen, also weiter nach Süden und einige km vor Orange bin ich in der Provence. Der Charakter der Landschaft ändert sich, die Vegetation ist weiter. In den Städtchen u[nd] Städten Mordssonntagnachmittagbetrieb. Es wimmelt von Menschen. Sie sitzen im freien vor den Kaffees. Hinter Orange finde ich etwas zum Malen. 2 Aquarelle.


Auf der Weiterfahrt nach Avignon finde ich keinen Campplatz. Es wimmelt heute von Automobilen, der Zug reißt auf der Landstraße nicht ab. Als ich am Vormittag mir in einem kleinen Ort ein paar Apfelsinen gekauft hatte, mußte ich lange warten bis es mir gelang, wieder über die Straße zu kommen. Man fährt mit Temperament. Übrigens sind alle Lebensmittelgeschäfte in Frankr[eich] auch Sonntagvormittags geöffnet. So wie die Häuser hier im Süden schon äußerlich einen ungepflegten Eindruck machen, in den oft sehr engen Gassen ein eigenartiger Duft entströmt, der auch den Wohnungen eigen ist, so darf man an die Ordnung und Gepflegtheit der Läden nicht in unserem Sinn hohe Ansprüche stellen. Hygiene wird kleingeschrieben. Auf den Hauptstraßen der größeren Städte finden sich natürlich beste Läden. Aber wenn man preiswert kaufen will, geht man in einen Laden „Alimentation“, wo man alles bekommt, außer Automobilen. –
Schon km. vor Avignon fährt man durch besiedelte Straße, fährt durch eine Bahnunterführung, und ist in Avignon. Entlang an alter fester Mauer. Es ist gegen 6 Uhr. Als ich in die Hauptstraße in Richtung palais des papes einbiege, ein für unsere Vorstellung unheimlicher Betrieb in der Straße. Man fragt sich, wie da durchkommen, ohne jemanden zu überfahren. Kurzer Aufenthalt am Papstpalast, dann hinunter zur Rhonebrücke auf Suche nach Zeltplatz. Der Verkehr auf der engen Brücke am Sonntagabend ist unvorstellbar. Gleich am Ende der Brücke ein kleiner Campplatz unter Aufsicht. Ich bin froh als ich im Zelt stecke.
Es sind wieder 2 Schweizer da. Ein Ehepaar aus frz. Schweiz mit altem DKW. Er sieht aus wie Gelehrter oder Pfarrer, eine Richter-Type.
Sonnabend 24.4.54
Wolkenloser Himmel. Ran an die Maschine. Zündung auf und da sah ich die Bescherung. Nur gut, daß ich schon früher mir selber geholfen habe und einige Erfahrung besitze. Die Schleifkohlen waren stark abgenutzt, der Zündhebel saß fest, also ölen, Zündung neu einstellen. Und siehe, als ich fertig war, kam der Motor sofort auf Anhieb. Ich war glücklich.
Gepäck auf und weiter. Hinter Vocance ein neues Aquarell. Unter der Arbeit hält ein junger Franzose, sieht bei der Arbeit zu und fängt Unterhaltung an. Er war 2 Jahre lang von 48–50 zur Besatzung in Deutschland. Ich überwinde meine Scheu und schwätze drauf los und siehe, wir verstehen uns ausgezeichnet dank meiner guten Aussprache. Wir unterhalten uns über die politische Lage. Er meint, daß den deutschen u[nd] fr[an]z[ösischen] Werktätigen nichts trennt. Die Kriege und die nationalen Gegensätze seien das Werk der Kapitalisten hüben wie drüben. Der kleine Mann bezahlt mit Blut u[nd] Geld die kapitalistischen Interessenkämpfe. Der fr[an]z[ösische] Arbeiter wisse vom deutschen Arbeiter, daß er von sich keinen Krieg wolle. Gegen den Deutschen bestehe kein Haß und ich brauche deshalb keine Bedenken zu haben. Bei schlechtem Wetter brauche ich nur einen Bauern zu bitten, in seiner Scheune schlafen zu dürfen. Er war von Annonay a Vocance en vancance.1 Bot mir Zigarette an und verabschiedete sich mit Handschlag.
Es fing an zu regnen, im Gebirge sah es traurig trüb aus, während rückwärts zur Rhone der Himmel blau war. Also Umkehr, denn Regen kann ich auch in Deutschland haben. Der junge Franzose machte mir wenig gute Hoffnung, je höher ich hinaufkäme. Auf der Rückfahrt gibt die Maschine ein eigenartiges Geräusch, ich tippe auf Getriebe. Es tuckt, es quietscht ganz fürchterlich. Durch die Ortschaften schauen die Leute nach mir. Ich fahre vorsichtig weiter. Was machen. Mir wird hundeelend, wenn die Maschine zu Bruch geht. Das wäre ein frühes Ende. Denn ich will nichts mehr von Ruth verlangen, sie hat genug geopfert. Wieder durch Annonay, an der Rhone entlang, immer dieses Geräusch, die Angst jetzt ist es aus. In Tournon Halt. Letzte Einkäufe für Sonntag und eine Ansichtskarte für Ruth. 20 Cig. Gauloise 80 frcs (1 Mk.). Cig. Papier 10 frcs f. 100 Bl. Rotwein ltr. 67 frcs, Brot 55 frcs. Damit sind 2 Tage bestritten. Und nun ich abfahren will, entdecke durch Zufall den Defekt. Die Schrauben des Kettenrades am Hinterrad haben sich gelöst. In 10 Minuten war der Schaden behoben, die Hände schwarz von Öl.
Leichten Herzens weiter über die Rhone bis zum nächsten Campingplatz hinter Tournon. Kinder spielen unter Aufsicht Erwachsener in der Sonne. Mein Zelt mit Blick auf Rhone, Lastkähne ziehen vorüber. Ich zeichne, bald sind die Kinder bei mir, neugierig.

Wir unterhalten uns. Dabei ein kleines hellblondes strahlendes Mädel qu’elle s’appelle Martine2. Dann werden sie von einem freundlichen jungen Mädel zum Spiel weggeholt. Vom unteren Rhonetal zieht ein Gewitter auf. Ich bringe alles schnell ins Zelt unter und koche, ehe es losgeht. Über der Rhone zwei wunderbare Regenbogen. Später kommt noch ein frz. Wagen um zu campen. Der kommt suchend vorbei und begrüßt mich mit Handschlag. Bei beginnender Dunkelheit noch ein Wagen aus Eire. Die Dame sucht Wasser, da es steil über große Steine hinab zum Wasser geht, erbiete ich mich, es ihr heraufzuholen. Dann geht das Gewitter los, ich krieche ins Zelt u[nd] mache Eingang dicht. Es ist gemütlich, bei Licht und Rotwein und Tee lerne ich fr[an]z[ösisch]. Um 9 Uhr schlafen.
Freitag, 23.4.
Um 5 Uhr heraus. Kuckuck hat geweckt. Es ist sehr frisch. Der Himmel wolkenlos blau. Der Wind hat sich gelegt. Am Teich gewaschen. Es geht weiter, nur noch 35 km bis Lyon. Meine Reisegeschwindigkeit liegt immer zwischen 40–50 km. Welliges Land, mit vielen Teichen. Ich dachte, schon in der Ebene zu fahren, aber vor Lyon ging es steil hinab ins Rhônetal. Da ich keine Sehnsucht nach Großstädten habe, benutze ich die Umgehungsstraße, vorbei am Sender Lyon nach St. Fons. Rechts sehe ich das Rhonetal liegen, aber die Straße geht bis Vienne über Berge einige km abseits. Weite Felder, viele Weingärten, es wird merklich südlicher. Ich entschließe mich auf Anraten Prof[essor] Högi’s1 über Serrière nach le Puis abzubiegen u[nd] mir dort die Höhlen anzusehen. Die Landschaft sei grotesk. In St. Valier gehe ich über die Rhône. In Vienne war übrigens Jahrmarkt und mordsmäßiger Betrieb. Ich hatte Lust abzusteigen, habe aber immer noch eine Befangenheit, mich unter das Volk zu mischen. Ich lerne noch fr[an]z[ösisch] in jeder freien Minute.
Über Annonay geht es hinauf steil in die Berge. Die arme Zündapp muß mit dem schweren Gepäck mächtig ran. Hinter Annonay wird das Tal enger. Wolken kommen auf. Vor Vocance mache ich Halt und male das erste Aquarell. Als ich gegen 16 Uhr fertig bin und weiter will, springt die Maschine nicht mehr an. Das fehlt gerade noch bei den Zünderpreisen und meinem kleinen Geldbeutel eine Reparatur. Ein paar ältere Frauen kommen vorbei und staunen über mein Gepäck. Vous avez bien marcher, Monsieur. Bon voyage2. Man ist freundlich, lacht, nicht anders als freundliche Frauenzimmer bei einem Gang von einem Dorf ins andere bei uns zu Haus. Dabei suchen sie am Weg erstes Grün für Salat. Ihre Kleidung ist noch altväterisch, schwarze Strohhüte. Ich wende die Maschine und versuche sie bergab mit Gangschaltung zum Laufen zu bringen, ein paar ganz kleine Buben helfen auf meine Bitte schieben. Nichts zu machen.
Die Abfahrt wird steiler, so daß ich ohne Hilfe weiter komme. Unten winkt ein Dorf. Aber nach ein paar hundert Meter geht rechts ein Feldweg hinauf. Zu den beiden Seiten stürzt frisches Bergwasser herab, eine Gelegenheit, das Zelt aufzuschlagen, 20 m abseits von der Straße, etwas gedeckt durch Dornengebüsch. Runter mit dem Gepäck. Das Zelt ist nun schon schnell aufgeschlagen, ich habe den Bogen heraus. Schnell das Gepäck ins Zelt, alles fertig zur Nacht und nun gehts an den lahmen Benzinesel. Vergaser runter und gereinigt, nur gut, daß ich alles nötige Werkzeug dabei habe. Ich bin verölt und verschmiert. Ein paar vergebliche Versuche, dann gebe ich es auf und mache mich resigniert ins Zelt, hundemüde von den Anstrengungen des Schiebens. Unruhige Nacht. Zu beiden Seiten gurgelt das Wasser und die defekte Maschine will mir nicht aus dem Sinn. Um 6 Uhr raus. Die Nacht war dazu kalt.
Donnerstag 22.4.54
gegen 10 Uhr via Besançon. Immer durch Juraberge. Über B[esançon] imposante Kasematten. Kurzer Aufenthalt. Erster Einkauf. Becherverkäuferin behauptet, ich spreche recht gut. Allmählich gewöhnt sich das Ohr an die Tatsache, daß es nun auf viele Tage nur fr[an]z[ösische] Laute zu hören bekommt. Noch bei Grenzübergang hatte ich Hemmungen u[nd] wäre am liebsten umgekehrt. Aber der Übergang war allmählich, im Elsaß noch alles deutsch und nun mitten in Frankreich, frage ich mich, wozu diese Grenzen, wozu dieser Nationalismus. Überall Menschen, die mich an die der Heimat erinnern, Bauern bei der Feldarbeit nicht anders als bei uns, die Menschen in den Städten wie bei uns. Ich kann bis jetzt nicht einmal physionomisch2 einen Unterschied entdecken. Wozu die heutigen Grenzen, sollte es wirklich keine Möglichkeit geben, enger zusammenzukommen als bisher, eine wirkliche neue Form des überstaatlichen Zusammenfindens zu verwirklichen, in der jeder nach Sprache und Kultur sich frei entfalten kann.
Die Landschaft erinnert in vielem noch an Süddeutschland. Die Dörfer u[nd] Städte werden südlicher. Endlich zwischen Besançon u[nd] Long wird es wärmer, der Himmel blau, aber hinter Long heftiger Wind. Bourg, ein kleines Städtchen mit engen Straßen. Bin nun aus dem Jura, die Landschaft wird hügelig. Zwischen Bourg u[nd] Lyon, zwischen Teichen in einem kleinen Wäldchen, abseits von der Straße, Zelt aufgeschlagen unter Bäumen. Höre den ersten Kuckuck. Zum Abendbrot Vin blanc ordinaire (85 frcs ltr.). Meine Gedanken sind bei Ruth voll Dank für das Möglichmachen dieser Reise, wenn auch hier noch nichts, so erwartet mich nach Prof[essor] Högli3 hinter Lyon allerhand. Dann denke ich an Susilein und damit krieche ich beim letzten Gesang der Waldvögel in mein Zelt.

Tagebuch 19.4.1954 – 21.4.1954
Frankreich 1954
von Kurt Franke
Dies Tagebuch ist nur für Ruthlein geschrieben und vielleicht findest Du mehr darin, als in Briefen hätte gesagt werden können.
Frankfurt ab 19.4.
– Ulm
20.4.
in Ulm geblieben, da Regen
21.4.54
Es regnet. Wollte 7 Uhr abfahren. Gegen 8 Uhr bei nachlassendem Regen Abfahrt. Trank noch einen Kaffee, den die Wirtin nicht bezahlt nehmen wollte. Langsam Fahrt im Regen bis Kehl. Dort letzte Besorgungen. Ohne Zollkontrolle über die Brücke. An der Paßstelle drüben sehr freundlich. Es regnet weiter. Ohne Aufenthalt von Straßburg nach Kolmar. Trinke in einer kleinen Wirtschaft an der Straße Kaffee (Fks. 45.-). Kolmar ohne Aufenthalt nach Belfort. Landschaft wird bergig, die Vogesen tauchen aus den tiefen Wolken auf. Landschaft lieblich wie deutsche.
Vor Belfort nehmen Dörfer anderen Charakter an. Von oben hinein nach Belfort durch die alten Kasematten, eine typ[ische] alte Festung. In Belfort großer Betrieb in den Straßen. Frage zum ersten Mal einen alten netten Franzosen nach dem Weg, er weist mich richtig. Weiter durch Berglandschaft zum Doubtal, welches 20 km hinter Belfort beginnt. Ein Fluß wie die Werra, zu beiden Seiten felsige Berge mit Wäldern. Durch reizvolle kleine Orte, denen heute die Sonne fehlt, um zum Aufenthalt u[nd] Malen zu verlocken.
Es ist 17 Uhr geworden, ich mache kurze Zigarettenpause u[nd] überlege, wo ich mich niederlassen will. Wenige 100 m danach ein Campingplatz am Doubsufer, den ich sofort anfahre, bin ca. 25 km vor Besançon. Zelt aufgeschlagen. Habe 2 Zeltstäbe zu Hause liegen gelassen und muß mir Ersatz aus Holz schnitzen. Gegen 8 Uhr kommt ein Volkswagen mit Schweizer Zeichen an. Machen bei mir Halt. Wir sind bald mit Unterhaltung im Gang. Da immer noch Regen droht, biete ich für einen Mann Zeltplatz an, da nur einer im Wagen, der anderen von beiden im Freien schlafen muß. Um 9 Uhr zum ersten Mal ins Zelt, um 5 Uhr wach, Mond scheint durch Zelt. Gegen 6 Uhr aufgestanden, auch bei den Schweizern regt sichs. Sie wollen zeitig fort. Stellt sich als Prof[essor] Högi, einen Höhlenexperten heraus1. Erzählt mir von fr[an]z[ösischen] Höhlen. Herzlicher Abschied. Ich mache noch Zeichnung und verschwinde.

- Auf dem hinteren Spiegelblatt des Tagebuchs findet sich der Eintrag: „Prof. Dr. Högli [korr. zu Bögli] Hitzkirch bei Luzern“. – Alfred Werner Hubert Bögli (*1912 in Bern, †1998 in Hitzkirch) war Lehrer für Geographie und Naturwissenschaften in Hitzkirch, später Honorarprofessor der Universität Frankfurt am Main und Gastprofessor an der Universität Zürich. Er hatte 1954 bereits mehrere Beiträge zur Höhlenforschung publiziert. Vgl. auch Andres Wildberger/Ulrich Jörin: Zum 100. Geburtstag von Alfred Bögli (1912–1998), in: Bibliothek der Schweizerischen Gesellschaft für Höhlenforschung (Hrsg.): Akten des 13. Nationalen Kongresses für Höhlenforschung, 2012. Zürich 2012. S. 289–294. ↩