Frankreich 1954
von Kurt Franke
Dies Tagebuch ist nur für Ruthlein geschrieben und vielleicht findest Du mehr darin, als in Briefen hätte gesagt werden können.
Frankfurt ab 19.4.
– Ulm
20.4.
in Ulm geblieben, da Regen
21.4.54
Es regnet. Wollte 7 Uhr abfahren. Gegen 8 Uhr bei nachlassendem Regen Abfahrt. Trank noch einen Kaffee, den die Wirtin nicht bezahlt nehmen wollte. Langsam Fahrt im Regen bis Kehl. Dort letzte Besorgungen. Ohne Zollkontrolle über die Brücke. An der Paßstelle drüben sehr freundlich. Es regnet weiter. Ohne Aufenthalt von Straßburg nach Kolmar. Trinke in einer kleinen Wirtschaft an der Straße Kaffee (Fks. 45.-). Kolmar ohne Aufenthalt nach Belfort. Landschaft wird bergig, die Vogesen tauchen aus den tiefen Wolken auf. Landschaft lieblich wie deutsche.
Vor Belfort nehmen Dörfer anderen Charakter an. Von oben hinein nach Belfort durch die alten Kasematten, eine typ[ische] alte Festung. In Belfort großer Betrieb in den Straßen. Frage zum ersten Mal einen alten netten Franzosen nach dem Weg, er weist mich richtig. Weiter durch Berglandschaft zum Doubtal, welches 20 km hinter Belfort beginnt. Ein Fluß wie die Werra, zu beiden Seiten felsige Berge mit Wäldern. Durch reizvolle kleine Orte, denen heute die Sonne fehlt, um zum Aufenthalt u[nd] Malen zu verlocken.
Es ist 17 Uhr geworden, ich mache kurze Zigarettenpause u[nd] überlege, wo ich mich niederlassen will. Wenige 100 m danach ein Campingplatz am Doubsufer, den ich sofort anfahre, bin ca. 25 km vor Besançon. Zelt aufgeschlagen. Habe 2 Zeltstäbe zu Hause liegen gelassen und muß mir Ersatz aus Holz schnitzen. Gegen 8 Uhr kommt ein Volkswagen mit Schweizer Zeichen an. Machen bei mir Halt. Wir sind bald mit Unterhaltung im Gang. Da immer noch Regen droht, biete ich für einen Mann Zeltplatz an, da nur einer im Wagen, der anderen von beiden im Freien schlafen muß. Um 9 Uhr zum ersten Mal ins Zelt, um 5 Uhr wach, Mond scheint durch Zelt. Gegen 6 Uhr aufgestanden, auch bei den Schweizern regt sichs. Sie wollen zeitig fort. Stellt sich als Prof[essor] Högi, einen Höhlenexperten heraus1. Erzählt mir von fr[an]z[ösischen] Höhlen. Herzlicher Abschied. Ich mache noch Zeichnung und verschwinde.

- Auf dem hinteren Spiegelblatt des Tagebuchs findet sich der Eintrag: „Prof. Dr. Högli [korr. zu Bögli] Hitzkirch bei Luzern“. – Alfred Werner Hubert Bögli (*1912 in Bern, †1998 in Hitzkirch) war Lehrer für Geographie und Naturwissenschaften in Hitzkirch, später Honorarprofessor der Universität Frankfurt am Main und Gastprofessor an der Universität Zürich. Er hatte 1954 bereits mehrere Beiträge zur Höhlenforschung publiziert. Vgl. auch Andres Wildberger/Ulrich Jörin: Zum 100. Geburtstag von Alfred Bögli (1912–1998), in: Bibliothek der Schweizerischen Gesellschaft für Höhlenforschung (Hrsg.): Akten des 13. Nationalen Kongresses für Höhlenforschung, 2012. Zürich 2012. S. 289–294. ↩