Freitag, 23.4.

Um 5 Uhr heraus. Kuckuck hat geweckt. Es ist sehr frisch. Der Himmel wolkenlos blau. Der Wind hat sich gelegt. Am Teich gewaschen. Es geht weiter, nur noch 35 km bis Lyon. Meine Reisegeschwindigkeit liegt immer zwischen 40–50 km. Welliges Land, mit vielen Teichen. Ich dachte, schon in der Ebene zu fahren, aber vor Lyon ging es steil hinab ins Rhônetal. Da ich keine Sehnsucht nach Großstädten habe, benutze ich die Umgehungsstraße, vorbei am Sender Lyon nach St. Fons. Rechts sehe ich das Rhonetal liegen, aber die Straße geht bis Vienne über Berge einige km abseits. Weite Felder, viele Weingärten, es wird merklich südlicher. Ich entschließe mich auf Anraten Prof[essor] Högi’s1 über Serrière nach le Puis abzubiegen u[nd] mir dort die Höhlen anzusehen. Die Landschaft sei grotesk. In St. Valier gehe ich über die Rhône. In Vienne war übrigens Jahrmarkt und mordsmäßiger Betrieb. Ich hatte Lust abzusteigen, habe aber immer noch eine Befangenheit, mich unter das Volk zu mischen. Ich lerne noch fr[an]z[ösisch] in jeder freien Minute.

Über Annonay geht es hinauf steil in die Berge. Die arme Zündapp muß mit dem schweren Gepäck mächtig ran. Hinter Annonay wird das Tal enger. Wolken kommen auf. Vor Vocance mache ich Halt und male das erste Aquarell. Als ich gegen 16 Uhr fertig bin und weiter will, springt die Maschine nicht mehr an. Das fehlt gerade noch bei den Zünderpreisen und meinem kleinen Geldbeutel eine Reparatur. Ein paar ältere Frauen kommen vorbei und staunen über mein Gepäck. Vous avez bien marcher, Monsieur. Bon voyage2. Man ist freundlich, lacht, nicht anders als freundliche Frauenzimmer bei einem Gang von einem Dorf ins andere bei uns zu Haus. Dabei suchen sie am Weg erstes Grün für Salat. Ihre Kleidung ist noch altväterisch, schwarze Strohhüte. Ich wende die Maschine und versuche sie bergab mit Gangschaltung zum Laufen zu bringen, ein paar ganz kleine Buben helfen auf meine Bitte schieben. Nichts zu machen.

Die Abfahrt wird steiler, so daß ich ohne Hilfe weiter komme. Unten winkt ein Dorf. Aber nach ein paar hundert Meter geht rechts ein Feldweg hinauf. Zu den beiden Seiten stürzt frisches Bergwasser herab, eine Gelegenheit, das Zelt aufzuschlagen, 20 m abseits von der Straße, etwas gedeckt durch Dornengebüsch. Runter mit dem Gepäck. Das Zelt ist nun schon schnell aufgeschlagen, ich habe den Bogen heraus. Schnell das Gepäck ins Zelt, alles fertig zur Nacht und nun gehts an den lahmen Benzinesel. Vergaser runter und gereinigt, nur gut, daß ich alles nötige Werkzeug dabei habe. Ich bin verölt und verschmiert. Ein paar vergebliche Versuche, dann gebe ich es auf und mache mich resigniert ins Zelt, hundemüde von den Anstrengungen des Schiebens. Unruhige Nacht. Zu beiden Seiten gurgelt das Wasser und die defekte Maschine will mir nicht aus dem Sinn. Um 6 Uhr raus. Die Nacht war dazu kalt.


  1. Sic! ↩
  2. „Sie sind gut gefahren, mein Herr. Gute Reise!“ (marcher müßte eigentlich marché heißen). ↩

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