Es regnet weiter. Wenn es heller wird, fahre ich trotzdem, ich möchte malen, malen und bin verärgert. Drüben ist ein Bus angekommen, man kocht ab, lauter junge Leute. Ich liege im Zelt u[n] schreibe. Da ruft es draußen „Aufstehen“. Es sind Freiburger vom Bus von Spanien kommend auf der Heimfahrt. Kurze lustige Unterhaltung. Es sind Turner.
Ich packe auf und fahre bei Regen ab. Der Mistral weht mir auf der Fahrt nach Aix kalt entgegen. Vor mir wird der Himmel heller u[nd] 20 km vor Aix scheint Sonne. Ich fahre durch Aix Richtung Nice, ca. 8 km hinter Aix von der Hauptstraße ab. Halt an einer Domaine, frage ob ich bleiben darf eine ältere Frau. Sie wird sofort freundlich und sagt zu, als ich mich als Maler vorstelle. Ich kann bleiben, solange ich will und habe mein Zelt unmittelbar neben dem Wohnhaus im Garten unter einem Nußbaum aufgeschlagen.

Noch ist die maßgebende Person, der Schwiegersohn nicht da. Aber als er kommt, ist auch da alles gut u[nd] die Aufnahme eine überaus herzliche. Ich bin erstaunt, wie viel ich verstehe, selbst wenn man schnell spricht. Das Ohr hat sich gewöhnt. Wir unterhalten uns lang und sind uns einig. Auch hier nur der Wunsch nach Friede und Verstehen. Er hatte deutschen Kriegsgefangenen aus Gegend Hamburg-Bremen, der bei ihm in voller Freiheit lebte. Der Patron scheint eine Seele von Mensch zu sein. Hat 6 Kinder von 1-14 Jahren. Hof ca. 50 ha groß. Die Kinder machen sich schon an mich heran. Mit dem 59jährigen Knecht unterhalten (Marseiller). Hat vor dem Krieg bei Köln an Autobahn gearbeitet u[nd] war zufrieden mit Deutschen. Schwer verstehbar, spricht schnell u[nd] patois in der Annahme, daß ich ihn verstehe. Ich bin irgendwie sehr glücklich, dieses Refugium gefunden zu haben. Jetzt nur gutes Wetter. Ruthlein u[nd] Susi eine gute Nacht. Ihr seid meine Welt.