Montag, d[er] 3.5.54

Der Mistral weht kalt. Man muß ihn u[nd] den Einfluß auf die Menschen kennen gelernt haben. Zwischendurch Regenschauer, unmöglich, draußen zu arbeiten. Ich stopfe Strümpfe im Zelt u[nd] lerne dabei fr[an]z[ösisch]. Dann fahre ich zum ersten Mal seit meiner Ankunft hier mit dem Motorrad zur nächsten Alimentation nach Bayeux, um einige Lebensmittel zu besorgen.

Nach Mittag hellt es auf, stürmt aber noch heftig. Ich gehe los, muß vorher noch Kaffee trinken. Beim Malen weht es mir ein paar Mal die Staffelei um, ich muß den Rahmen anbinden.

Gegen Abend setzt starker Regen ein. Ich bin durch u[nd] durch kalt u[nd] wärme mich zunächst bei den Leuten aus Bordeaux. Sie ist köstlich u[nd] hat, wenn ihr etwas gefällt, eine temperamentvolle Art, 2 Finger an den Mund zu führen. Sie ist der Typ einer Französin aus dem Volk, erzählt lebhaft und ich lerne viel von ihr. Z.Z. unterrichtet sie ihre Älteste von bald 7 Jahren selbst u[nd] macht es gut.

Was die Kindererziehung betrifft, so bin ich bei Arquier’s erstaunt, mit welcher Strenge und Exaktheit es zugeht. Widerspruch wird in keiner Weise geduldet u[nd] jede Anordnung muß sofort u[nd] prompt ausgeführt werden. Die Kinder haben einen Heidenrespekt vorm Vater u[nd] auch die Großmutter in ihrer fast deutschen herben Art, sie ist Matrone u[nd] sehr reserviert, ist sehr energisch.

Man liebt die Kinder überaus. Der Kosename für die Jüngsten ist Coco. Am Abend nach dem Abendbrot noch bei Arquier gewärmt u[nd] Zeitung gelesen. Fand Artikel über Vlaminck u[nd] Picasso. Zeigte auf Wunsch meine Aquarelle u[nd] Mr. Arquier meint, meine Farben würden noch anders, wenn erst einmal besseres Wetter wird. Er findet noch zu deutsch.


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