Donnerstag 13.5.54

Am Nachmittag eine kleine Bekanntschaft. Ich sitze hinter Meyreuil auf der Höhe unterhalb der Straße mit Blick nach Gardane.

Werde von Motorradfahrer angesprochen, der mich um einen Schraubschlüssel bittet, da sein Vergaser aussetzt. Ich kann ihm helfen. Er ist ein Korse, der im Schacht von Meyreuil arbeitet. Als ich vorsichtig verrate, daß ich Deutscher bin, ist er begeistert. Die Korsen hätten nichts gegen die Deutschen, trotz Besetzung. Wir Korsen sind keine Franzosen, aber auch keine Italiener, mit denen wir in Gegnerschaft leben. Während der Besatzung seien viele von ihnen im Lagnis (?) getötet worden. Im Gegensazu zu den Franz[osen] seien die Korsen viel gastfreundlicher u[nd] hilfsbereit, sofern man sie u[nd] ihre Sitten achtet. Gegen die Amerikaner große Abneigung u[nd] Hass, wegen ihrer Flegelhaftigkeit u[nd] Rücksichtslosigkeit bei der Befreiung. Es gab Mord u[nd]Totschlag. Er war sehr treuherzig u[nd] hätte sich noch lange unterhalten, wenn ich wegen meiner Arbeit nicht Schluß gemacht hätte.

Am Abend müde u[nd] schlapp, manchmal habe ich das Empfinden, Fieber zu haben. Morgens etwas Halsschmerzen. Ich muß Ruthlein schreiben u[nd] kann nicht, weil mir die Kraft fehlt. Vielleicht lebe ich auch etwas zu dirftig, aber mein Geld muß reichen. Jetzt gebe ich wöchentlioch ca. 1200 frcs aus, das sind ca. 15,- Mk. bei Preisen, die hier ca. 20 % höher liegen als in Deutschland. Am Tag aber muß ich malen, um mein Soll zu erfüllen. Vielleicht halte ich einmal Sonntag ein.

Aber was ich hier schreibe, ist ja alles nur für das Ruthlein wie die Briefe. Nicht böse sein Ruthlein, aber manchmal bin ich (oder oft) müde, daß ich schlafen möchte, ohne wieder aufzuwachen.


Schreibe einen Kommentar