Wetter noch unsicher. Ste Victoire vor Nebel nicht zu sehen. Habe einige notwendige Arbeiten (Strümpfewaschen, Gepäckträger) vorzunehmen u[nd] Besorgungen in Aix zu machen. Fahre mit A[rquier], diesmal über Meyreuil. In der Ferne liegt Gardane. A[rquier] zeigt mir Besitz eines Schwagers, der sich hier niedergelassen hat, weil ihm die Provence ans Herz gewachsen ist. Nur mit Notwendigsten angefangen u[nd] schlägt sich durch. Ist aber unter der Provencesonne glücklich.
Die Sonne ist das Schicksal des Provencalen. Ein kurzer Winter von 14–30 Tagen bannt in die Wohnung, dann spielt sich alles Leben wieder draußen ab. Daher legt man im Sinne der Deutschen keinen Wert auf Zustand und Ausstattung einer Wohnung in der breiten Masse. Man hockt in der Haustür, vor dem Haus, man hat viel mehr Zeit als Luxus. Die Straßen sind belebter als bei uns, meist auch enger und dadurch schattig. Alle großen und kleinen Nachlässigkeiten werden begründet mit C’est le soleil. Und sie brennt wirklich unbarmherzig, bei Windstille fast unerträglich. Dazu die „moustiques“, das doppelte und dreifache Format unserer Mücken, die einen auffressen. Ich bin maßlos gestochen und weiß abends vor Jucken nicht wohin.
In Aix im Monoprix eingekauft. Sah zum ersten Mal einen alten bärtigen Algerier, bescheiden u[nd[ lächelnd. Wie ich dann hörte, lange in Aix wohnhaft, sein Sohn ist Lehrer geworden. Erstaunlich wie viel blonde Menschen. Hausfrauen machen genauso bieder ihre Einkäufe am Morgen wie bei uns.
Heimwärts deutschen Wagen getroffen. Nachmittags noch einmal fort zum Malen, aber ein aufsteigendes Gewitter trieb mich in die Flucht.
- Interessanterweise finden sich in der Tat zwei Eintrag zu diesem Datum. Ob es bedeutet, daß Kurt Franke manche Einträge aus der Erinnerung schrieb, nicht tagesaktuell? ↩