Die Zeichnungen von 1956

Meine Großmutter hat die Korrespondenz mit ihrem Mann in Aktenordnern gesammelt, fein säuberlich chronologisch sortiert. Der erste Brief aus dem Jahr 1956 stammt aus Meyreuil und datiert vom 4. Mai. Der letzte – vom 23. Oktober – kündigt die Rückkehr nach Deutschland für das Ende des Monats an.

Am 18. Oktober 1956 berichtet mein Großvater unter anderem: „Langsam habe ich mich in meine Arbeit zurückgefunden und es ergab sich von selbst, dass meine Versuche eine andere Richtung nahmen. Der Gedanke, für Dich ein paar Zeichnungen zu schaffen, war wie eine Notwendigkeit, denn dadurch hat sich für mich vieles geklärt. Wenn ich heute bitte, drei Jahre Geduld zu haben, dann ist das kein leeres Geschwätz. Ich habe gearbeitet wie ein Vieh. Wo die geschaffenen Dinge am einfachsten aussehen, haben sie mich die meiste Mühe gekostet und ich weiss jetzt, wohin der Weg führt. Ich bin besessen von einem wahnsinnigen Ehrgeiz, Dinge zu schaffen, die vor mir bestehen. Jetzt fange ich an, an den Grund der Dinge zu rühren, wie sie mir vorschweben.“ Später schreibt er im selben Brief noch: „Heute habe ich die 35. Zeichnung vollendet“.

Fünf Tage später, im Schreiben vom 23. Oktober, erzählt er: „Wie meistens bin ich wieder seit 4 Uhr an der Arbeit. Beim traulichen, aber für die Arbeit doch sehr anstrengenden Licht der Petroleumlampe ist die 40. Zeichnung entstanden. Damit hätte ich das mir gestellte Soll erfüllt. Vielleicht aber gelingt es mir, noch ein 6. Heft zu füllen. Da diese Zeichnungen für Dich entstehen, kannst Du Dir vorstellen, wie meine Gedanken in dieser Zeit des Zeichnens bei Dir sind. Es sind die schönsten Stunden des Tages. Dazu fühle ich einigermassen frisch und wohl, was dann im Laufe des Tages bis zum Abend in masslose Erschöpfung ausläuft, was mich oft entmutigt.“

Ich meine, diese Zeichnungen haben sich erhalten – jedenfalls ein Großteil von ihnen. Sie liegen in unterschiedlichen Mappen; zum Teil hingen sie auch in der Wohnung meiner Großmutter und bei uns zuhause. Ich habe bisher gut 30 Blätter gefunden, die auf das Jahr 1956 datiert sind. Ich bitte die teils schlechte Abbildungsqualität zu entschuldigen (ich werde versuchen, das noch einmal besser zu machen).

Die Zeichnungen gefallen mir. Sie zeigen, daß Kurt Franke sich der Malerei von der Graphik her genähert hat. Die meisten der Blätter haben außerdem einen Titel, den ich jeweils mit abzubilden versucht habe (auch wenn er bei den später gerahmten Bildern teils auf dem Passepartout steht).

Vielleicht gelingt es mir ja bei der weiteren Sichtung der Mappen, die Serie noch weiter zu vervollständigen.

Ein Gedanke zu „Die Zeichnungen von 1956“

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