Le cabanon

Im Frühjahr und Sommer 1954, bei seiner ersten Reise nach Frankreich, hat mein Großvater zunächst im Zelt gelebt, dann im Stall auf der Domaine de Valbrillant. Wahrscheinlich schon 1955, spätestens 1956 hat er in einem kleinen Häuschen ganz nahe bei der Domaine gewohnt, das er in seinen Briefen als „cabanon“ bezeichnet.

Le cabanon, wahrscheinlich 1956
Le cabanon, wahrscheinlich 1956

Hier hat mein Großvater gelebt und geschlafen, gemalt und seine Bilder aufbewahrt und „ausgestellt“.

Am 18. Oktober 1956 schrieb mein Großvater an meine Großmutter: „Ich kann es kaum fassen und es wird mir diesmal sehr schwer, die Cabanon zu verlassen, in der ich leidvolles durchgekämpft habe und die erfüllt ist von Gedanken, die besser unausgesprochen bleiben. Es musste mir eine Zeitlang scheinen, dass dies der einzige Platz ist, wo ich wenigstens ein Dach über dem Kopf habe und viel mehr braucht man ja kaum, um arbeiten zu können. Es wird ein Abschied von unfassbar schönen Nächten, die ich durchgearbeitet habe, Abschied vom nächtlichen Schrei der Käuzchen, vom Rauschen des Waldes hinter meiner Hütte. Wenn ich mich irgendwo beheimatet fühle, so ist es hier in der Provence und dass ich nicht hier geboren bin, scheint mir ein Irrtum zu sein. Vielleicht ist es aber auch ein Sinn, dass ich als Deutscher geboren, spät hier den Platz finden durfte, um das zu versuchen zur Reife zu bringen, was sich jetzt herausarbeitet.“

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